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Wachstumshürde Kreditsicherheiten

Wenn eine Unternehmerin / ein Unternehmer in die Selbstständigkeit startet und dazu eine Finanzierung benötigt, dann wird das in der Regel über eine Bank abgewickelt (das „eine“ steht hier für die Anzahl der Banken). Diese Bank wird für die Bereitstellung der Kreditmittel Sicherheiten verlangen. Neben Bürgschaften der Gesellschafter, sofern es sich nicht um ein Einzelunternehmen handelt, sind das regelmäßig die sogenannten „Aktiva“ des Unternehmens. Also Grundstücke und Gebäude, das Warenlager und die Forderungen. Das ist üblich und aus Sicht der Banken auch notwendig.

Im Laufe der Jahre wächst das Unternehmen. Ab einer bestimmten Größe ist es aus verschiedenen Gründen sinnvoll, eine weitere Bankverbindung einzugehen. Das hat viel mit Risikoverteilung und Vermeidung von Abhängigkeiten zu tun. Und man möchte auch bei dieser Bank einen Betriebs-mittelkredit, oftmals als Kontokorrentlinie, eingeräumt bekommen. Jetzt wird es schwierig.

In den Banken gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung. Das heißt, dass eine Bank bei der Gewährung von Krediten auf Seiten der Sicherheiten nicht schlechter behandelt werden möchte, als eine andere Bank mit der gleichen Kreditart. Hat also Bank A eine Kontokorrentlinie von 100.000€ zur Verfügung gestellt, und als Sicherheit das Warenlager und alle Forderungen, dann wird Bank B bei der Beantragung einer neuen Kontokorrentlinie auf dieselben Sicherheiten bestehen; es sei denn, der Kreditnehmer kann andere, gleichwertige Sicherheiten anbieten. Geht aber oft nicht, da mit dem Warenlager und den Forderungen bereits alles beliehen ist (Grundstücke und Gebäude lasse ich hier einmal bewusst außen vor, denn diese sollten nicht zur Sicherung von kurzfristigen Finanzierungen dienen).

An dieser Stelle stoßen Unternehmer immer wieder auf große Schwierigkeiten bei der Finanzierung des Wachstums; man nennt das auch „Wachstumsschmerzen“. Lösungen hierzu gibt es, allerdings sind diese nur dann umsetzbar, wenn zu diesem Zeitpunkt keine Abhängigkeit des Kreditnehmers von einer Bank besteht. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird eine Bank keine Sicherheiten freigeben. Gerade darauf läuft es aber hinaus, wenn man eine zweite Bank in die Betriebs-mittelfinanzierung mit einbinden will.

In guten Zeiten muss auch an dieser Stelle rechtzeitig vorausschauend gearbeitet werden.